Schlaf schneller, Genosse

Der Grosse Sympathiebetrug

Nach dem Film, während der Platte, beim Zeitschriftenblättern die dümmste Äusserung: “Hm. Ja. Geht. Aber: gut gemacht!”. Was in der Kulturindustrie nicht als “gut gemacht” gelten kann (=Standard) ist noch schlimmer, als das warenförmige Produkt. Zweitdümmste Äusserung: “Eh’ eine Frage des Geschmacks”. Der Geschmack ist beeinflusst (Marx, Freud, Bourdieu.). Drittdümmste Äusserung: “Finde ich voll sympathisch”. Gefühlt wird nur dann, wenn es erlaubt ist (Scooter, Blumfeld, Springsteen). Das derzeit grösste Problem besteht darin, dass diese Rezeptionsverfahren eins zu eins auf die im Fernsehen auftretenden Personen übertragen werden: Kanzlerin Merkel wirkt klug, Umweltminister Gabriel wirkt knuffig, Kaiser Beckenbauer wirkt buddhistisch. Die heutige Politik arbeitet systematisch mit Sympathiebetrug. Die, die man früher Charaktermasken genannt hat, agieren als Persönlichkeiten: Bohlen oder Bush - egal. Soap bleibt Soap. Der eine war früher Kommunist, der andere Alkoholiker, haha. In einer Welt, in der alles an einem vorbeizugehen scheint, wirkt Ästhetik wie das letzte Echtheitheitsbarometer. Die Betonung liegt auf WIRKT, alles andere wäre KLASSENKAMPF.