Schlaf schneller, Genosse

Psychopathologie Der Palästinenser: Emanzipation Ist Nicht

In Berlin ist die 19. Ausgabe des “Gegner” erschienen. Traditionell ein sympathisch zusammengeschustertes Anarcho-Off-Record-Fanzine aus dem Franz-Jung-Bekennerkreis des Original-Prenzlauer Berg von vor ‘89 (ein Artikel von Julia Sohn-Nekrasov beginnt so: “Fussnote II. Der Verrückte möchte etwas anderes. Er möchte nicht versorgen. Er möchte keinen Alltag. Er neidet aufrichtig die da In-ihrer-Zielsicherheit-Geborgenen! - und sein Spott quirlt dann und macht ihn wach”), der trotz Kaminer-Kaffee-Burger-Geschäften immer noch nicht als sonderlich solvent bezeichnet werden kann, liegt ihm nun als “einmalige Sonderausgabe” ein Heft der 2. oder 3. Generation dieses Milieus bei: “Floppy-Myriapoda”. Es enthält ein “Reisetagebuch” vom Musiker und Dichter Alexander Krohn über einen Besuch in der Westbank. “Wir, das sind: Evi Haupt, Zentral- und Südostasien-Studentin, spricht 10 Sprachen, neben dem Üblichen Arabisch, Persisch, Burmesisch, Paschtu, Thai. Ausserdem: Maddi Kraushaar, studierter Ökononom, genannt Der Neger, Betreiber eines Leipziger Journalisten-Büros - und ich.” Erlebt wird hauptsächlich Hitze, allgemein setzt die Reisegruppe “wie immer auf den Idiotenbonus”.

Interessanter als ihre Erlebnisse sind fünf auf superbrutalnaive Weise durchgeführte Interviews mit palästinensischen Aktivisten der verschiedenen Fraktionen, die den Vorteil bieten, das sie emotionale Problemlagen verdeutlichen und zeigen, wie Politik sich anfühlt, wenn man sie nicht verstehen will. Historische Kontextualisierungen sind verpönt, die reine Gegenwart darf nichts anderes als schmerzen und Zukunft ist streng verboten. Dabei fällt einmal mehr auf, das es der gesamten Region seit Jahren an jeglicher emanzipatorischer Perspektive fehlt. Wird doch die Aggressivität sowohl von israelischer als auch palästinesischer Seite strikt defensiv begründet. Notwehr, Notwehr - das ist nicht nur langweilig, das ist brutal. Asem J. R. Abddalhadi vom Politbüro der kommunistischen PPP spricht es aus: “Wir wenden keinen militärischen Widerstand gegen die Israelis an (…) Wir kamen zu der Schlussfolgerung, dass wir allein durch militärische Mittel unser Land nicht befreien können. Schon deshalb, weil am militärischen Widerstand nur wenige Menschen teilnehmen. Militärische Mittel helfen vielleicht, aber der einzige Weg sind politische Verhandlungen.” Was die Typen der Hamas und vom Islamischen Jihad daherzwitschern, bleibt erwartungsgemäss wirr. Ähnlich dem, was BRD-Nazis in Interviews dunkel andeutend von sich geben, weil sie nicht strafrechtlich belangt werden wollen. Das Elend der früher von diversen westdeutschen Linksradikalen favorisierten DFLP wird von Osama Yaseen, einem ihrer Studentensprecher, verdichtet:

Frage: Gibt es Kontakte zu Anarchisten? Antwort: Die, die nicht an Führer glauben, sind einfach eitel und egozentrisch (…) Frage: Kennst du die EZLN? Antwort: Nein. Frage: Gibt es Märtyrer in der DFLP? Antwort: Ja, viele. Diejenigen von uns, die nicht durch die Checkpoints gelassen werden, versuchen oft über die Berge zu kommen - allein dabei wurden viele erschossen. Abgesehen davon wurden bereits 13 Führer der DFLP bei ihrer Arbeit ermordet.