Schlaf schneller, Genosse

Geplättet Oder Geblendet

Bei jeder zweiten “Deadwood”-Folge schlafe ich ein. das liegt nicht daran, dass ich müde oder angestrengt bin, sondern an den Lichtverhältnissen in “Deadwood”. Spielt meistens drinnen, sieht aus wie Naturlicht (ist es aber nicht) und alles wirkt sehr düster und dunkel.

Bei den normalen Fernsehnachrichten und dem Blödsinn im Regionalfernsehen schlafe ich nie ein. Da ist immer alles brutal hell. Zur Verzweiflung jedes Kameramanns, der dort gelandet ist. Mit Schatten darf man niemals arbeiten, sondern muss seine Ambitionen da reinstellen.

Rock Arond the Clock

In der französischen Revolution wurden als erstes die Uhren zerschossen. Später wusste die Arbeiterbewegung: Armbanduhrzeit ist Terrorzeit. Eingefallen ist ihr trotzdem nichts, ausser den Operaisten in Italien, die die Maschinen mit dem sprichwörtlichen Sand im Getriebe lahmlegten. Und in meinem Schlafzimmer? Ewig grüsst der Braunwecker, den mich mir vor 1000 Jahren deshalb gekauft habe, weil man eine kleine Wachmachmaschine benötigt, die 1A funktioniert. Und jetzt weckt die völlig eigenständig - dann, wenn man nicht damit rechnet. Sieben ist eingestellt, geweckt wird aber um viertel nach sechs, weil man als Wecker selber denkt oder was?! Das führt zu Überraschungen wie sie der Kampfdiener Cato Fong seinem Chef in den Inspector-Clouseau-Filmen serviert. Da helfen dann auch nur chirurgische Schläge.

Die Liebe Ist Eine Kombiwette, Schatz (Erschreckend Aktuell)

Aus dem Grundsatzreferat grosse tolle Indieplatten der BRD:

Lydia Daher: “Lydia Daher” (Trikont). Die besten Drogentexte seit, äh, den Beatles. Jens Friebe: “Das mit dem Auto ist egal hauptsache dir ist nichts passiert” (ZickZack). Bester Plattentitel seit “Monarchie und Alltag”.

Der Fall Knut Elstermann

Nehmen wir mal an, dass der “Kino King Knut” Elstermann, der auf Radio 1 jeden Samstag die Sendung “12 Uhr mittags” moderiert, nicht so platt ist, wie er tut; dass er nicht so unpolitisch ist, wie er meint; dass er Filme mag und nicht lächerlich macht; dann weiss er zumindest ganz genau, wie man in Allgemeinplätze und Schnellgebabbel flüchtet, als wären dies die unterbesetzten Rettungsboote seiner traurigen Existenz.

Die Schnitzelsicherheit Aufrechterhalten

Immer wieder enttäuschend: Der Outskirts-Italiener. Unter Umständen gemütlich und freundlich, aber mit einem Speisekarten-Down-Sizing, das sich gewaschen hat. Tiefkühlkost und Sahnepampe, prego. Anscheinend gilt in den Outskirts das oberste gastronomische Prinzip, die Schnitzelsicherheit aufrechtzuerhalten. Es besteht sonst die Gefahr vom auf den Abschluss-Freigrappa wartenden Volk gelyncht zu werden.

Damals in Der RAF-Waschmaschine

“Deutscher Herbst: Es war Politik, nicht Pathologie” - titelt die neue “analyse und kritik” auf Seite 1. “Man könnte den Hochsicherheitstrakt als eine Art Waschmaschine sehen, in dem das Bewusstsein der Gefangenen ‘weiss’ gewaschen wird. Ich selbst empfand ihn eher als Tiefkühlschrank, der den Widerstand einfrieren soll. In dieser Kühltruhe saß ich eines Tages sechs Stunden an der Schreibmaschine und habe genau sechs Zeilen hinbekommen. Die waren voller Fehler. Mir ist einfach nichts mehr eingefallen.” (Karl-Heinz Dellwo, Gefangener aus der RAF von 1975-1995, in “Das Projektil sind wir”, Gespräche mit Tina Petersen und Christoph Twickel, Hamburg, 2007)