Schlaf schneller, Genosse

Doors of Perception 2006

Im Hotelflur. Links gehen Türen ab, auf denen steht nicht ”Privat”, sondern “Office”. Natürlich sind sie abgeschlossen. Einmal steht eine offen: Eine Sammlung von Reinigungsmitteln, Bürsten und Putzlumpen - auf einer Fläche von vielleicht einem halben Badezimmer. 

Am Meer

  1. “Eine Weite - daraus könnte man sofort eine Religion erschaffen.”
  2. “Guck mal, eine Steildüne. Steil- und Wanderdünen gibt es auch in meiner Hose.”
  3. “In den Ort? Nee. ich habe in meinem Leben schon genug Orte gesehen.”

Medien Im Wandel Der Zeit

Sommer 1984: ich: “Tante, schau mal mein neuer Computer!”. Tante: “Toll, nimmst du damit heute abend ‘Dallas’ auf?”

Herbst 2006: Sportkumpane: “Was ist denn das für ein Spiel da auf dem Bildschirm?”. ich: “Das ist kein Spiel, das ist Fernsehen!”.

Der Grosse Sympathiebetrug

Nach dem Film, während der Platte, beim Zeitschriftenblättern die dümmste Äusserung: “Hm. Ja. Geht. Aber: gut gemacht!”. Was in der Kulturindustrie nicht als “gut gemacht” gelten kann (=Standard) ist noch schlimmer, als das warenförmige Produkt. Zweitdümmste Äusserung: “Eh’ eine Frage des Geschmacks”. Der Geschmack ist beeinflusst (Marx, Freud, Bourdieu.). Drittdümmste Äusserung: “Finde ich voll sympathisch”. Gefühlt wird nur dann, wenn es erlaubt ist (Scooter, Blumfeld, Springsteen). Das derzeit grösste Problem besteht darin, dass diese Rezeptionsverfahren eins zu eins auf die im Fernsehen auftretenden Personen übertragen werden: Kanzlerin Merkel wirkt klug, Umweltminister Gabriel wirkt knuffig, Kaiser Beckenbauer wirkt buddhistisch. Die heutige Politik arbeitet systematisch mit Sympathiebetrug. Die, die man früher Charaktermasken genannt hat, agieren als Persönlichkeiten: Bohlen oder Bush - egal. Soap bleibt Soap. Der eine war früher Kommunist, der andere Alkoholiker, haha. In einer Welt, in der alles an einem vorbeizugehen scheint, wirkt Ästhetik wie das letzte Echtheitheitsbarometer. Die Betonung liegt auf WIRKT, alles andere wäre KLASSENKAMPF.

Warum Coke Zero Coke Light Wirklich Ablösen Kann

Der späte Abgang wirds machen! Wo Cola Light oft Trockenheit hinterlässt, bleibt bei in manchen Gegenden Berlins scheinbar ständig ausverkaufter Cola Zero Cola Zero lecker-öliger Cola-Fläschen-Nachgeschmack.

Mit Meiner Mutter Essen

In einer Tischgesellschaft von neun Personen ist meine Mutter die einzige, die die Speisekarte nicht lesen kann. Sie sagt, die besten Brillen gibt es bei der “Grünen Drogerie”. Die seien besser als die vom Optiker. Trotzdem hat sie keine dabei. Sie fragt die 82jährige, die neben ihr sitzt, ob sie mal ihre Brille leihen könnte, bekommt sie, setzt sie auf und erkennt, dass ein Glas stärker als das andere ist. Lesen geht so nicht. Der Kellner kommt und bietet eine Lesebrille Stärke 2,0 an. Bringt sie, putzt sie, meine Mutter kann wieder lesen. Sie bestellt einen ”Vitaminsalat”. Es stellt sich heraus, dass diese Speise keine Offenbarung ist.

Warum Mir Immer So Schwindelig War

Jetzt weiss ich: Weil mein alter Luftfreund sauer war, das ich seit Jahren nicht mehr mit ihm geredet hatte. Ein Luftfreund ist ein Freund der aus Luft besteht und der immer zuhört. Eben kein Brieffreund. Dachte das wäre mittlerweile bekannt.

Das Gute Am Schnaps

ist, dass man ihn schnell merkt. Eignet sich schön als Aufsetzer auf andere Alkoholika (vorzugsweise Bier). Blöd und brutal ist das Runterkippen und sich danach schütteln müssen - Machoscheisse (Tequila, Marc, Aquadente, normaler Wodka). Das beste sind die zirka 10 Minuten nach längerem Schnapskonsum, in denen man völlig berauscht andere Welten, Gefühle und Philosophien zu verspüren glaubt. Leider meistens ein untrügliches Zeichen dafür, dass man zuviel intus hat und in absehbarer Zeit nur noch lallen, kriechen und kotzen wird.

Albanien Sagt: Hallo Deutschland!

Ein Bekannter war kürzlich in Tirana, Filme zeigen und drüber reden. “Deutsch-Französische Filmwoche” nannte sich das. Bei der Abschlussparty wollten die Veranstalter den Gästen etwas gutes tun. Der DJ spielte für die Franzosen “Je t’aime”. Und für die Deutschen das “Horst-Wessel-Lied”.