Schlaf schneller, Genosse

Husch, Was Sind Wir Wieder Schnell Heute

gadget.jpgKaum zu ertragen, wie viele Medien bei Technikkram-Berichten der Hand an dem Puls der Zeit das Wort reden. Am wichtigsten: Die große Welle egal von was ist dummerweise eigentlich gerade schon wieder vorbei. Irgendwas hat sich dank übelster Begriffsklauberei, hervorgezerrten Einzelfällen und abstrusester Gleichnisse irgendwie so gut wie von selbst erledigt (oder seltener: fängt gar nicht an). Jedenfalls ist man nie dabei (was ja auch boes journalistisch ist), aber alles ist zur Genugtuung geklärt.

Erinnert an eine private Help-Session am Rechner bei der man ein bisschen Verständnis zu vermitteln sucht und die- oder derjenige sagt dauernd “hmmhmm, jaja”, klickt sich währenddessen aber ins Nirgendwo. Genauso wie dieser vermeintliche Schnellraffer-Mausklick jeglichen Anflug von Verstehen gerne als “überflüssiges Detail” brandmarken möchte wird beim Schreiben von den huschhusch Meldungen heimlich befürchteter hoffnungsloser Technologierückstand als Überblick verkauft.

Und am Ende der Tech-Nachricht steht immer ein Satz wie “In den [USA/Fernost/fremdes Land mit komischen Gesetzen] ist man da schon viel weiter, da haben die [Kids/Verbrecher] schon in der [Schule/Untergrund] ein [komisches neues Gerät/Game/Anwendung]”. Oder aber es gibt eine Gegenbewegung (die natürlich im Prinzip schon wieder vorbei ist).

Fast schon so wie bei dem nett crazy gemeinten Boulevard2-Snippet am Ende des RTL-Nachtjournals, wenn danach die liebe alte Schildkröte immer vorsichtshalber so einen beruhigenden Satz im Sinne von “Morgen ist alles wie immer” zum Abschied an den eventuell “verwirrten” Konsumenten mitschickte. Oder eben Fernsehpfarrer Fliege: “Passen sie auf sich auf”.

Materialien Zu Einer Soziologie Des Büroalltags (6)

A: Ich hab so Hunger. B: Ich auch. A: Was hast Du gesagt? B: Nichts. A: Ich meine, ich hab doch eben gesagt: Ich hab Hunger. Ich hab deine Antwort nicht mehr gehört. B: Ich hab auch Hunger, schneidenden sogar. A: Was kann man dagegen tun? B: Nichts. A: Mmph.

Diesseits Ist Just Allright (Who Cares)

Das Diesseits ist nicht schlecht, wenn man Sonntagabend beim Joggen den Friedhof überquert und viele Grablichte aus dem Dunklen rot leuchten sieht. Das sieht sehr schön aus. Würde man gehen, wäre es vermutlich unheimlich.   

Der Dorfschulze

Trotz des Kommerz-Bau-auf-Bau-auf-Settings von RTL und anderem Fallobst: Wenn Axel Schulz bei seinem sogenannten Comeback wieder auf die Fresse bekommt, hat man gedacht, wird er anschliessend zerbeult-freundlich “Tschuldigung. Es war ein Missverständnis” sagen. Und so war es dann auch. 

Marxismus Für Ein- Und Aussteiger

“Marx-Brothers” auf DVD geguckt, “im Kaufhaus”. Aus unerfindlichen Gründen dem Sechsjährigen Foto von Karl Marx gezeigt: Lange Haare, weisser Bart - sieht bescheuert aus. Und lebt der noch? Nein. Was hat der gemacht? Der war ein kluger Wissenschaftler, der entdeckt hat, wie die Wirtschaft funktioniert. Hä? Dass die Fabrikbesitzer immer nur mehr Geld wollen und die Arbeiter nichts davon abbekommen sollen. Hm. Die Fabrikbesitzer sind wie Fische: erst klein, dann fressen sie andere Fische, werden grösser und haben immer noch Hunger, so dass sie dann sich selbst fressen wollen, denen ist alles egal. - Achso, das hätte ich dir auch erklären können.

Der Klassiker

Prüfungssituationen, ick hör euch kotzen. In meinen Träumen. Damals im dritten Anlauf den Führerschein geschafft. Für das weitere Leben eine philosophisch-politisch-prognostische Begrüssung des Fahrprüfers: “Guten Tag. Mein Name ist Ernst. Ihre Lage ist es auch”.

Probleme Mit Dem Stuhl

In der angenehm-betulichen wie sachlich-übersichtlichen Berliner Bar “Stille Post” (mittig versteckt in Mitte) kämpfen die Betreiber mit gefährlichen Sitzgelegenheiten. In der Ecke unter der Treppe haben sie einen kleinen Friedhof für diese weißen Billig-Plastik-Campingstühle eingerichtet. “Ich dachte, die können nie kaputtgehen?” - “Doch, die brechen unten ab. Jeden Abend erwischt es überraschend einen Gast.” Man hätte eine “schlechte Serie” erwischt, in die “Scheisse” reingemischt worden wäre, heisst es.

Ken Foree

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Der souveränste Nervenbewahrer aus ”Dawn of the Dead)”. Wenn ich entschlossen sein will, stelle ich ihn mir vor. Wahrer Lieblingsfilmshot wird nachgeliefert (am Ende: antaumelnde Zombiehorden, Ken alias Peter, sitzend und auf Tisch gelehnt nachdenklich die Nase in der Ellenbogensenke, Knarre abwechsend an der eigenen Schläfe oder lässig auf Arm, dann letzter Kraftakt: nocheinmal Sturm durch die Toten in die hoffnungslose Freiheit aufs Dach).

That’s It: Bild

Die gute alte perverse Bildzeitung bringt’s mal wieder auf den trashdokumentaristischen Punkt, natürlich ohne etwas richtiges daraus zu folgern. Das wäre für die kleine Bildzeitungswelt zu viel. In der heutigen Ausgabe werden Aufzeichnungen von “Amok-Schüler Bastian B.” aus Emsdetten präsentiert. Grosses Foto der letzten Eintragung 20.11.2006: “That’s it!”. Eintragung vom 19.11.2006: “Ich hatte nie eine Freundin, habe nie ein Mädchen geküsst. Ne, stimmt nicht! Da war dieses Möchtegern-Gothic-Püppchen. Ich konnte sie nie ab, aber ich war besoffen. Also scheiss drauf. Ich bin nicht schwul!” That’s it!