Meistens gibt es ein schlechtes Gewissen nachdem man was tolles erlebt hat. Die Zigarette danach. Das stille Bedürfnis nach dem schlechten Gewissen geht so weit, das regelrecht jede Möglichkeit eines haben zu dürfen detektiert und schliesslich von dem möglichen Überträger (in moralinsauer-Stimmung zu tränkende Person) erzwungen wird.
Die Körperfresser Kommen
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die die immer müde tun und die anderen. Bei ersteren ist immer alles schonmal dagewesen. Nur wertkonservativ resigniert lasches, unerreichbares und ironisches ist erlaubt. Und die waren auch schon mit “16 so wie mit 64” (bleed). Gehen nur mit Ansage weg und machen demonstrativ die Müdigkeitsalarmglocke an, um dann jegliche nach Abenteuer riechende Situation bei ihrer Art aus einem Tschüss eine (müde) Diskussion zu machen mit in den Tod zu reissen. Überhaupt: Hallo und Tschüss sagen ist eigentlich schon alles. Wozu machen die das mit uns?
Dieser Zustand Ist Nicht Tanzbar (Wolf Biermann Is Upcoming)
Ein Gefühl wie beim Rücktritt von Rudolf Scharping: Blumfeld haben sich aufgelöst. Inoffiziell war schon länger zu hören, dass Jochen Distelmeyer an Schlagzeuger Andre Rattay rumgemäkelt haben soll. Deshalb muss er jetzt Sting werden: Der schlechteste Musiker mit den grössten Ambitionen verpflichtet wahrscheinlich irgendwelche Topmusikantisten, damit alle ihn künftig als “Dichter” ansprechen müssen. Nach dem Motto: „Wie eine Blume, die im Winter beginnt, so wie ein Feuer im eisigen Wind, wie eine Puppe, die keiner mehr mag, so fühl ich mich manchen Tag.” (Nicole 1982)
Ach So
“Bayern wird nur Modemeister”. “Bild” von heute, Headline von “Super Mario gibt Gas” - übrigens einer der dümmsten Kolumnentitel ever für eins der unsympathischten Ex-Genies (des ruhenden Balles).
Theorie Und Praxis Des Banalen (“Indie”)
Früher hiess es: “Independent heisst dependent”, heute ist das allgemeingültig. 1. Basis: Outsourcing, Prekarisierung. 2. Überbau: Für die Kulturindustrie ist mittlerweile alles “Indie”, selbst die CDU. Für alle anderen ist es Nudel-Dudel-Gitarrenpop. 3. Herrschaftswissen: Für den kulturindustriellen Apparat (Bavaria, Ziegler-Film, Universum Box Promotion) meint das Attribut “banal” allererste Güte.
Was Meine Freundin Sagt
“Du hast es nicht nötig andere Leute zu beäugen und deren Fehler festzustellen, um dich besser zu fühlen, was du dann ja doch nicht tust.”
Problemfall Väterlicher Freund (Heterosexueller Modus)
Jedes Kind weiss, dass Familien schlimm sind (wer es nicht weiss, ist verdächtig). Am schlimmsten sind die Väter: Selten da und wenn, dann sind sie in der Regel angeberisch, besserwesserisch und unter Zeitdruck. Trotzdem schaffen es die meisten noch, auf überraschend laxe Art Gefühle der Überforderung zu erzeugen. Laut Max Horkheimer haben die Väter trotzdem ausgespielt (weil es den bürgerlichen Patriarchen, der die ihm gehörende Firma auch leitet, seit zirka 1880 nicht mehr gibt - weshalb die Psychoanalyse auf Treibsand gründet). Von den lebensgefährlichen Vätern ist nur ihre bedrohliche Karikatur übriggeblieben: der väterliche Freund der Freundin. Er wird von ihr ihr meist als total lieb, nett und eventuell trotz seines fortgeschrittenen Alters mit Attraktivitätsbonus beschrieben. Die Freundin erhält vom väterlichen Freund in der Regel Extraportionen an Weisheit, Anerkennung, Aufmerksamkeit und Gratistips. Für den nichtväterlichen Freund der Freundin bleibt unklar, was der väterliche Freund eigentlich im Schilde führt: a) gar nichts, b) Sublimierung diverser Bedürfnisse, c) Narzissmus, d) Hoffnung auf ewiges Leben, e) Sympathiebekundung, f) Aufrechterhaltung von Macho-Traditionen, g) Sex, h) Zeitvertreib, i) Pädagogik, j) Kommunikation, k) Flirten, l) Missionierung, m) Sinnsuche, n) Nespotismus, o) Verliebtheit. Von Mischformen ist auszugehen. Die blosse Existenz des väterlichen Freundes steigert beim nichtväterlichen Freund der Freundin die Kastrationsangst. Das schafft ein echter Vater nicht mehr.
Krise Der Musikindustrie: Hopeless
Franziska geht in die neunte Klasse und sagt: “ich brauche keine Originale.”
Castrismus Als Verkochter Antiwitz
Und daheim sterben die Leut. Kuba ist aber nicht daheim. Ein Genosse kehrt zurück und sagt: “Es hat nie einen realen Sozialismus gegeben!” Er berichtet, in Kuba tragen die Jugendlichen T-Shirts mit dem Aufdruck “US-Army”, hören in den Discos Lambada als das heisse Ding und im Luxusrestaurant kosten Spaghetti mt Tomatensosse 20 Euro. Sie sind allerdings riesig, weil total verkocht. Der Kellner hätte gemeint: “That’s the real style!”. Ich sage dem Genossen: Mag sein. Wer verspricht sich auf Kuba denn den Humanismus hoch 10? Man solle sich Kuba als weltpolitischen Antiwitz gegen die Kosten der Freiheit des Westens vorstellen: Kommt ein Pferd in die Apotheke und sagt, es hätte den Bus verpasst.
Modifikationen Des Berufslebens
“Du wolltest doch mit dem Aitsch aufhören, wegen deinem neuen Job”. (Adriana zu Christopher in “Sopranos”, 4. Staffel)