Schlaf schneller, Genosse

Thursdays Child Indiepop-Elektro-Retro-Garage: Stand Derzeit

thc_web.jpgLange Schlange vor Magnet-Club (Jeder ausser uns hat seinen Ausweis vorzuzeigen). Hinter uns: “Habe heute mit ISDN mal meine E-Mail abgerufen. Hat ganz schön gedauert.”. “Hast du kein Outlook?”. “Nein. Da hat mein Papa noch keine Zeit gehabt das mit mir einzurichten.”

SPD-Stammwähler Auf Kurzen Wegen

Zu allen möglichen Tageszeiten laufen auf dem Bürgersteig, der gegenüber meinem Wohnzimmer liegt, Mitglieder einer Familie, die sämtlich gleich aussehen. Still, dicklich und schwarzkurzhaarig geht es in dunkler Jeans- und billiger Daunenjackenkleidung geradeaus. Sie sind nicht hässlich, eher von dumpfer, abgewandter Hübschheit. Die zwei Brüder scheinen Zwillinge und ungefähr sieben Jahre zu sein. Manchmal hat die Mutter sie an der Hand, manchmal halten sie sich gegenseitig an den Händen, ab und an fährt der Vater langsam auf einem Fahrrad vorneweg, teilweise mit einer Kiste Bier hintendrauf. Bewegung im Gänsemarschsystem, scheinbar ziellos. Das wirkt streng, etwas zurückgeblieben, aber nicht brutal. Weder die Kinder noch der Vater scheinen Freunde zu haben, einzig die Mutter redet selten mal mit einer mutmasslich anderen Mutter. Auf jeden Fall wird Einkaufen gegangen, ob zur Schule ist unklar, aber anzunehmen. Im Auto oder im Bus sind sie noch nie aufgetaucht. Ihre Wege sind die kurzen. Halten sie sich auch zu Hause an den Händen fest?          

Rad Kaputt

Carl Hegemann, der Dylanfrisurdenker, war früher an der Volksbühne und bespielt sie auch weiterhin. Am Montag zum ersten mal mit der neuen Veranstaltung “Radwechsel der Geschichte - Verständigungsversuche”. Zu Gast ist René Pollesch. Später sollen unter anderem Frank Castorf, Donna Haraway und Bernd das Brot kommen. Klingt sehr vorhersehbar. Fürs Poesiealbum wollen wir aber festhalten (und beim nächsten Latte-Macchiato-versus-Fanta-Light-Showdown zücken):„Das Rad der Geschichte muss ausgetauscht werden. Das alte ist kaputt. Nicht die beklagenswerten Verhältnisse, sondern dass die Versuche der Gegenwehr und Abhilfe sich heillos in sie verstricken, legen es nahe, gegen die herrschende Lehrmeinung auch für unsere Gegenwart zu behaupten, dass sie eine von Tragödien sei: Handeln, das die Dinge grundlegend verändern will, endet in deren selbstzerstörerischen Bekräftigung. Das Theater kann diese Ausweglosigkeit nicht lösen, aber es kann die Tragödie des Spiels selbst vorspielen; es kann nicht nur die Tragödie als Spiel, sondern das Spiel als Tragödie zeigen” (Christoph Menke und Carl Hegemann).

Erfahrungen Einer Generation “Normaler” Computerbenutzer

  • Diplomarbeit mit Microsoft Word schreiben, Probleme bei vielen Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnis

  • Probleme mit dem Drucker/Druckertreiber beim Ausdruck der Diplomarbeit

  • Probleme bei der Einrichtung des Internetzugangs zu Hause

  • Probleme bei der Einrichtung des E-Mail-Programms

  • mehrere komplette Datenverluste durch Virenbefall

  • Paranormale Erlebnisse beim Versuch Daten zu retten

  • Rechner ist immer zu langsam, da Virenscanner und Personal Firewall die ganze Rechenzeit verbrauchen

  • Probleme beim Versuch einfache Bildbearbeitung der eigenen Urlaubsfotos mit gigantischen meist “raubkopierten” Software-Monstren zu erledigen

  • Probleme auf der Arbeit: Microsoft Word- und Excel hoch und runterfahren, einfache Texte und Tabellen tippen, deren Formate öffnen und rumschicken

Danach geht nichts mehr. Man kann nichts mehr hören und sehen von dem Kram, meint aber perverserweise doch der MS-Scheiss ist das Maß aller Dinge. Darauf fußt neben OEM-Knebelverträgen das Microsoftsche Monopol. Und das alles nur weil behauptet wird Computer müssten einfach sein. Dabei kann man mit ihnen zum Mond fliegen.

Sein Und Zeit (5): Schokoriegel

Die Geworfenheit in den Zucker macht ontisch große Probleme, vergleichbar der unstillbaren Vorlust im softsexuellen Fernsehen. Der Schokorierel, vorrangig an Tankstellen gekauft und unkonzentriert verzehrt, verspricht sofortigen ultimativen Ausgleich für sämtliche Defiziterfahrungen, ist dann aber nur zu unsüss, zu unlecker und zu lieblos. Mancher denkt, man wüsste was man hat, weil Mars, Snickers, Lion, Milky Way noch aus der Kindheit erinnerlich sind - aber wer war schon gerne Kind? Der Zucker lügt! Wem das schmecken soll, der oder die muss kiffen, kiffen, kiffen (und kotzen). Grösste Enttäuschugen: 1. Mars, 2. Twix, 3. Kittkat, 4. Lion, 5. Duplo. Komischerweise ganz gut: Bounty (weil kaum gegessen) Alternative: Baklava (wirklich süss)

Nina-Hagen-Klima

Die Gletscher in den Alpen sind also weg. Der Winter wird also wie Herbst. Das ewige Eis wird also weniger. Skifahren wird also von Jahr zu Jahr schwieriger. Heuschnupfen beginnt also im Dezember. Bangladesh und Florida gehen also unter. In China fahren also immer mehr Autos. “Mir ist heiss! Ich bin heiss! Warum sind denn nicht alle so heiss wie ich? Ja, ist es denn ein Wunder?” (Nina Hagen, 1978)

Arbeitsneid

“Entschuldigung könntest du deinen epileptischen Anfall woanders als auf der Tastatur kriegen?”.

Sechzig Jahre Selbstekel

Der verfickte “Spiegel” wird sechzig. Die übernommenen Nazis, das Scheitern des Rolling-Stones-Interviewers Gremliza (statt Mitspracherecht wollten die Mitarbeiter Mitgewinn), das Blindwerden von Augstein, die reaktionären Das-Boot-ist-voll- und AIDS-Titelstories, das Saufen der Mehrzahl der für den Papierkorb schreibenden sehr gut bezahlten Redakteure (Print), das Nichtseufzen des neuen Unterhaltungsproletariats (Online), der konservierte Einheits-Schmunzelstil, die langen Strecken als Überbleibsel von “Spiegel Reporter”, der teilweise smarte Sport- und Auslandsteil, der ewige Hass aufs Bundeskanzleramt, der überall hervorquellende Klatsch - planiert die Hausmitteilung! Das sogenannte Nachrichtenmagazin garantiert dumme Angewohnheiten. Die Neurose, jede Ausgabe in einem Rutsch durchlesen zu wollen, entweder von vorne oder von hinten und sich hinterher nur an einen Artikel erinnern können. Montags ist Selbstekelsporttag. Stolz sind nur die Neuntklässler, die ihn sich unter den Arm klemmen. Eine Übertreibung: “Klar muss es den ‘Spiegel’ geben (bis er hundert Jahre alt wird). Aber muss man ihn auch lesen? Man kann. Mal ja, mal nein. Das ist heuzutage schon viel” (Klaus Harpprecht in der “Süddeutschen Zeitung” von heute.)

Grundstimmung R 53

Es gibt die Möglichkeit, sich auf R 53 krankschreiben zu lassen. Die genaue Diagnose lautet dann “Unwohlsein und Erschöpfung”. Findet sich im Schlüsselverzeichnes jedes Hausarztes unter der Nummer R 53.

Mitleid

Mir tut im neuen Jahr das alte Jahr immer so leid.