Schlaf schneller, Genosse

Arm the Unemployed!

Woraus besteht unser Leben? Vor dem Fernseher Bier trinken. Deshalb sind wir die “Unterschicht”, das neueste Ding der SPD. Sagt die Friedrich Ebert Stiftung.

Es Ist an Der Zeit…

eines der seltsamsten Phänomene der Major-Musikalben-LP-Geschichte zu lüften. Es gibt dafür keine googlebare Erklärung, keine goldene von Plattenbossen ausgetüftelte Faustregel, aber es ist so:

Ausgehend von 5 Stücken pro Seite sind das erste und das dritte Lied immer die Hits (bzw. Auskopplungen). Das gleiche Spiel abgeschwächt auf der zweiten Seite. Das ganze wird bei ungleich 5 stücken auch mal so skaliert, das der Hit eben immer am Anfang und in der Mitte der jeweiligen Seite ist. Ansonsten gibt es Ausnahmen nur bei querkopf- oder extrem raren Hit-Alben (oder schon mal versucht bei “You can’t hide your love forever” ein schema zu finden?).

Beispiele gefällig? ok: Madonna 2, ABBA 2, Phil Collins, Whitney Houston, Culture Club, Queen, a-ha, Tears for Fears, Duran Duran, Kajagoogoo, Rick Astley, Nirvana, Depeche Mode 2 3, Beatles 2, Rolling Stones 2 3, New Order 2, Cure, Eurythmics, Billy Idol

Ficken Und Gefickt Werden

Berlin feiert das erste nicht-sexindustrielle Pornofilmfestival. Die “taz” feiert es in ihrer kompletten Wochenendbeilage. Was soll man zu Pornos noch sagen? Eine Empfehlung an alle Heteropaare: Schwulenpornos gucken. Ein hübscher moralphilosophischer Grundlagentext zur üblichen Phallus-Ausbeutungs-Monotonie-Diskussion von Manuela Jay. Ein saudummer Wie-ich-mal-die-Pornoschauspielerin-Natascha-werden-wollte-Aufsatz. Und natürlich viel Blabla, wie vor hundert Jahren von Michel Foucault im ersten Band von “Sexualität und Wahrheit” schon angedeutet. Das Geheimnis: Sex verändert sich nicht.

http://www.taz.de/pt/2006/10/14/a0254.1/text.ges,1

Deutschland, Deutschland, Alles Ist Vorbei

Der Wortmann-Film ist ganz gut. Keinesfalls so geil wie sein Vorbild, “Les yeux dans les bleues” von Stéphane Meuniers über die 98er WM der Franzosen. Wortmann rührt stellenweise, doch nach Meuniers ist man toll geschafft wie nach einem richtigen Entscheidungspiel. Der vorab Wortmann gemachte Vorwurf, er rühre nationalistische Scheiße an, trifft erst in den letzten fünf Minuten zu, wenn die Deutschlandfahnen weg von der neuen Gewöhnlichkeit in Richtung fröhlicher Reichsparteitag feat. Sportfreunde Stiller wirken. Ist das eine neue Erkenntnis? Nein. Und sonst:

Schweinsteiger recht rühriger Entertainer, Podolski erfrischend blöd lümmelig, Borowski sehr seriös, Bierhoff nicht sooo unerträglich, Lehmann vers. Kahn unverträglich, aber auch unprätentiös. Nette Betreuer, steifer Köpke, Löw versinkt in taktischem Kauderwelsch und Klinsmann ist ein Wahnsinniger, der auch beim Tischtennis brüllt und schmettert. Wenn sich die meistens verlegenen Menschen, die er immerzu als “Jungs!” oder “Männer!” anmacht, mal freuen kommt er sofort und ruft: “Regeneration!” In den Cola-Kühlschränken der Kabinen ist keine Cola, dafür dudelt Xavier Naidoo dogmatisch drum rum. Vorteil: Der Kaiser spielte keine Geige.

Jetzt Bin Ich Alt Genug..

und kanns endlich ohne Angst sagen: Talk Talk “Its a Shame” ist kein Superstück. Vielmehr spielt es bei mir schon immer in einer Lahmarsch-und-sonst-nichts-liga mit “The Captain of her Heart” von Double.

Aus Dem Tagebuch Eines Indiekönigs

Die superwichtige Band hat sich lange vorbereitet. Alle drei sitzen auf dem Sofa, schwerkonzentriert. Historischer Tunnelblick. Interviewer kommt und sagt als Eröffnung: “Von 100 Interviews funktioniert nur eins richtig.” Die superwichtige Band wird fast ohnmächtig. “Das Interview heute gehört nicht dazu”.

Was Tun Wenns Blitzt

Kennt ihr das, wenn ein Blitz einen durchzuckt, wenn man eine bestimmte Person (unerwartet) sieht. Unvollendetes Prä-Gänsehaut-Stadium. Sinnesantennen mindestens so weit wie bei sagen wir Rainald Götz ausgefahren. Ist entweder ex-love, love oder new-love.

“Leider ist es manchmal aber auch jemand, dem man vergessen hat, ein Fax zu schicken. Oder der Mann von der Bank. Oder einer, der einen peinlich gesehen hat.” (sandio)

Leben Mit Dem Fernseher

Ok, Kinder: Zappen ist seit ca. 1994 out! Ähnlich oder schlimmer als die dann an der Stelle doch relativ gefloppte DIY-Technomusik-Theorie ist der Stolz der Zapper ja darin begründet, das sie selbst “interaktiv” ihr eigenes Programm zusammenstellen. DVB-T ist “zu lahm”. Noch Ausredenlastiger gehts wohl kaum. Helligkeit, Kontrast, Ton an/aus, SW/Farbe galt ja auch nicht als interaktiv. Die Wahrheit ist: Es gibt kaum eine Art besser seine Zeit zu verschwenden und sich nutzlos vorzukommen als beim Zappen. Verendet als hechelndes Aufmerksamkeitsökonomie-Schäfchen vor dem Werbegeflimmer der Mächtigen.

Manch einer wird nun mit Bezug auf den Stand der Diskussion von ca. 1994 sagen: Auf Inhalte einlassen geht doch aber auch nicht (mehr). Doch geht schon eher. Lösung ist aber: Fernseher auf Zimmerlautstärke laufen lassen, normal weiterleben und alles unterbewusst zu einem tödlichen ultraverqueren für die Mächtigen absolut unverdaulich seltsamen Meinungsbastard zu destillieren. Wer das nicht kann, sollte den Fernseher endlich aus lassen.

In dem Zusammenhang: Was tun wenn man einen Fernsehabend will? Je nach Typ: Die die sich für nichts interessieren (Exkludisten) haben ja sowieso immer Probleme bei allem. Die die sich für alles interessieren (Inkludisten) sind total überfordert. Zuweisung macht mehr Spass als Pseudo-Auswahl: wenn schon zeitzwang-gesteuert sollte es nur ein Programm geben!