Schlaf schneller, Genosse

Klinsmann Im Führerbunker

Das Gebaren von Jürgen Klinsmann erinnert an Hitlers letzte Tage im Führerbunker. Gerede von Wunderwaffen und Endsieg, Warten auf den kollektiven Selbstmord. Allen ist klar: Die “vertikale Spielweise” wird keinen Weltmeistertitel bringen, das spielerische Potential ist äußerst bescheiden. Die Abschaffung des frustrierenden, aber bei Turnieren in der Regel sehr erfolgreichen deutschen Betonfußballs schafft eine Leere, die Klinsmann mit Psychologie zu füllen versucht.

Durch Selbstüberschätzung und Kraftmeierei ist für die Nationalmannschaft ein Rausch beabsichtigt, der sie bis ins oder kurz vors Finale bringen soll. Problem, Problem: Nach der langwierigen Entmachtung von Oliver Kahn gibt es keine Perversen mehr. Perverse wie Breitner oder Matthäus sind wichtig, weil sie durch ihre Diktator-Allüren den Druck von den einzelnen Spielern nehmen. Die fürchten dann die Perversen, nicht aber das nächste Spiel. Weil Klinsmann, der “Killer” (Matthäus), selbst Diktator sein will, kann er keine anderen Perversen neben sich dulden. Die Mannschaft bekommt geschlossen den vollen Erwartungsdruck ab. Die Spieler sind zwar Scheiß-Millionäre, doch sie fürchten sich wie Kinder vor der Klassenarbeit, weil sie wissen, dass sie nichts gelernt haben.

Gourmetführer (X)

Ist fast peinlich aber ich habe noch nie etwas gegessen, das nicht geschmeckt hat. Ausser jemand hats absichtlich verwürzt oder wie neulich in Frankfurt Döner mit Zigarettengekippten Fladenbrot verkauft (ja doch, kenne ich vom Geschmack her vom Griff auf die Aschenbecher-Bierflasche). Also nochmal: Behauptungen wie es schmeckt da nicht oder hier schmeckt der Spinat nicht kann ich nicht nachvollziehen. Die scheinen sich alle Mühe zu geben. Ich habe noch nie in einem Restaurant gegessen oder war noch nie an einem Imbiss an dem es mir nicht ganz koestlich geschmeckt hat. Burger King und McDonalds gegeneinander ausspielen ist nicht. Gerichte zurückgeben kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und Jeder neue Laden kommt in den Loop.

Brandenburgigkeit (2)

Auch der Brandenburger selbst ist vor Brandenburg nicht sicher. In Lindow (einem kleinem Ort in der Nähe von Rheinsberg, einem kleinen Ort in der Nähe von Neuruppin, was wiederum ein kleiner Ort in der Nähe von gar nichts ist) bekriegen sich seit mehreren Monaten die Mitglieder des Ortsvorstandes. Der besteht aus vier Mitgliedern: dem Bürgermeister, dem ehemaligen Bürgermeister und je einem Helfershelfer der beiden. Ein Zwei-Parteien-System also. Die Konkurrenten konnten sich aus persönlichen Gründen nie so richtig ausstehen, der richtige Streit begann aber erst, nachdem “ein Unbekannter” ein Bild von den gutmütigen Trotteln Pat und Patachon ans schwarze Brett des Dorfes hing, auf dem auf deren frappierende Ähnlichkeit mit dem Bürgermeister und seinem Parteigenossen hingewiesen wurde. Daraufhin wurde dem ehemaligen Bürgermeister nach offiziellen Angaben “ein Paket mit Scheiße” zugeschickt. Ebenfalls von einem Unbekannten. Die Dorfbewohner sind verängstigt: “Als nächstes brennt wohl der Dachstuhl”.

Brandenburgigkeit (1)

Bitterböse sind die Brandenburger, weil Uwe-Karsten Heye und andere Gutmenschen sagen, manche Gegenden ihres schönen Landes wären gefährlich für Ausländer. Das stimmt auch nicht. Die Wahrheit ist: Ganz Brandenburg ist lebensgefährlich. Und nicht nur für Schwarz-Afrikaner, jeder normalempfindsame Mensch ist in Brandenburg gefährdet und dazu brauchts gar keine Nazi-Trupps, da genügt die dumpfe Brandenburgkeit jedes normalen Brandenburgers. In Brandenburg ist es eigentlich ganz einfach, Linker zu sein. Denn das ist hier jeder, der nicht rechts ist - was aber wiederum ziemlich schwer zu sein scheint.

Im Auge Des Orkans

Warum wird Eifersucht immer geleugnet? Ich muss hoffentlich nicht erst mit einer Betrugs-Statistik um die Ecke kommen um die “Schon mal was von Vertrauen gehört”- Fraktion lügen zu strafen. Die kann mich mal. Wir sind hier nicht im Religionsunterricht, sondern im Serious-Beziehungs-Business. Ich lass mir doch nicht das letzte edle, lodernste und mächtigste aller Gefühle wegnehmen. Ausserdem der einzige Grund für Monogamie im hippen Alter. Wenn man schon niemanden mehr zum Duell fordern darf. Totgeschwiegen, aber in Wirklichkeit immer da. Immer das was rausbricht (ja auch bei den anderen). Deshalb: Man muss den “Mut zu einem breitgefächerten Report- und Kontrollwesen” (sandio) haben. Punkt.

Sein Und Zeit (1): Orangina

Die Geworfenheit ins Da drückt sich ganz besonders in der totalen Täuschung Orangina aus. Diese form- und griffwunderschöne Flasche mit dem fantastischen Namen (Stöhnerotik Champions-League: “O - ran - gi - na”) enthält ein Süßstoffwässerchen, dem nach einem Nano-Schluck bis in die weite Zukunft hinein sofort zu entsagen ist. Gibt es jetzt auch in der angeblichem Blutorangen-Version und der aufnotierten Anweisung “Shake me!” Das gedämpfte Rot (“Farbstoff Allularot AC”) erinnert an die Farbe dieser komische-Kauz-Kulis von spd-fraktion-berlin.de. Geschmack: untot. Orangenanteil: 6 %. Eiweiss: < 0,2 g. Fett: “Spuren”.

Peterchens NRW-Fahrt

Peter Handke mag ein unerträglicher Schwurbelist sein (“Versuch über die Jukebox”, “Mein Jahr in der Niemandsbucht”) und alles andere als 50 000 Euro Preisgeld von der Stadt Düsseldorf nötig haben, doch die Preiswegnehmwoller sind noch blöder als alle Germanistik-Seminar-Insassen dieses Landes zusammen.

http://www.linkspartei-duesseldorf.de/news_detail.php?newsid=138 http://www.taz.de/pt/2006/05/31/a0200.1/text http://www.jungewelt.de/2006/05-31/040.php

Unerwartete Unterhosenkontrolle

Fast leere Jugendherberge am See im Osten. Drei Männer zwischen 30 und 40 sind verschwitzt. Spontaner Badebeschluß. Wassertemperatur mutmaßlich gleich Lufttemperatur (12 Grad Celsius). Einer zieht sich die Badehose im Zimmer an. Die anderen lachen. Am See lacht der eine verschmitzt: Zwei dicke Mädchen um die 15 prollen rum.

Sie rufen: Wir wollen gar nicht hinsehen. Unerwartete Unterhosen- und Unterhemdkontrolle. Von Unterleib gar nicht erst zu reden. Nicht auf Hygiene, sondern von wegen Ästhetik. Der erste Mann springt ins Wasser. Stöhnt. Der zweite Mann läuft ins Wasser, taucht dann unter. Denkt, er bekommt keine Luft. Schwimmt 20 Sekunden in den See rein und wieder zurück. Der dritte (mit der Badehose) steht im Wasser und hält die Arme über die Brust verschränkt als wäre da ein Busen. Jammert. Auf einmal hechtet er hinein und krault sofort geschätzte vier Meter. Alle drei hüpfen wieder raus. Ein Gefühl wie nach dem Saunakaltbecken. Kreislaufschock macht die dicken Mädchen sofort vergessen. Beim Abtrocken entdeckt der Badehosenmann braune Flecken auf seinem Handtuch. Ein entfernt tapetenartiges Muster - Schmalz, das aus den Ohren kommt.

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Der Nichtraucherfaschismus Und Die Folgen

Ausgangslage Die Ausbreitung des Nichtraucherfaschismus wird von drei Entwicklungen bestimmnt. 1.) Ständige Senkung der Nikotin- und Kondensatwerte auf EU-Einheitsnormen. Wie durch perverse Wunderhand ist eine filterlose Lucky mittlerweile so stark wie eine Lucky-Filter. Folge: Man muß mehr rauchen (vergl. auch die Zigaretten, die nicht mehr “Light” heißen dürfen).2.) Ständige Anhebung der Verkaufspreise. Folge: Man muß mehr rauchen (Protest durch Masochismus). 3.) Ständige Ausweitung der Rauchen-verboten-Zonen. Folge: Man muß mehr rauchen (Protest durch Individualismus).

Zurück zu Lucky Luke Unter diesen Umständen gewinnt das Selberdrehen neue Qualität. Sein altes Hippie-Jutetaschenträger-und Fussgängerzonenpunk-Image verblaßt zunehmend zugunsten des alten Lucky-Luke-Styles (Wenn er nicht mit Kippe durch die Gegend ritt oder schlenderte drehte er sich gerade eine. Später ersetzten pädagogische Nichtraucherfaschisten die Selbstgedrehte in seinem Mundwinkel durch einen Grashalm).

Gib mir alles Im Vergleich mit den kastrierten Kippen aus dem Automaten gewinnen die Selbergedrehten alle Länderpunkte. Es schmeckt besser, die Werte sind höher (very important), die Zigarette brennt länger und es ist billiger. Alte Erkenntnisse bleiben aber gültig: Javaanse Mild war und ist der dümmste Tabak Europas und wer Schwarzer Krauser raucht, verhält sich auch in anderen Dingen wie ein Simpel.

Bester Drehtabak (Stand der Dinge 2006)

1.Golden Virginia

For those who know. So ausdifferenziert schön schmeckten angloamerikanische Filterlose früher. Sternegastronomie in besonders intelligent.

2.Chee Tah No. 69

Lustsklave für jedermann. Sehr billig, sehr gut. Die Kraft des schwarzen Tabaks ohne die Schmerzen des schwarzen Tabaks.

  1. Old Holborn

Die Zuckerzigarette. Von pervers süßer Pampigkeit. Deshalb auch brillant zu drehen (und schwer zu ziehen).

  1. Van Nelle Sterke Shaq

Der Authentizitätsbomber. Für echte Männer und echte Frauen. Immer feste auf die Lunge. Vorteil: schmeckt nie irgendwann nach Kotze wie Van Nelle Halfzware.

  1. Javaanse Jongens Halfzware

SPD, linker Flügel. Ein Widerspruch in sich. Darf man nicht ernstnehmen, muß man aber manchmal (wenn nichts anderes da ist). Von früher noch mit Blausäurevorwürfe behaftet. Aber wer raucht schon, um gesund zu bleiben?