Was war es so schön, damals die Space Invaders, Mappys, DigDugs oder Marios. jeder weiss es. Wie so oft wurde durch einen Mangel an Möglichkeiten grossartiges geschaffen. Das sah nach einer neuen Sprache aus. Dann das jahrzehntelange hinterherlaufen hinter dem Realen. Leider merkte man erst viel zu spät dass das nix bringt. Und jetzt ist überall nur noch GTA-Unreal-Warcraft-Proletenkacke oder eben aufgemotzte (auch wenns schwerfällt zuzugeben) weinende Schönheit (Nintendo) und kleine wundervolle Nischenperlen wie zB Katamari oder Shadow of Colossus. Ich glaube ich kaufe nur noch Spiele mit neuen Eingabemedien. Ist wenig Platz für Uberzeugungsarbeit zwischen Baldurs Gate und Moorhuhn. Habe auch keine Lust ständig als kindisch zu gelten nur weil ich nicht in einem muffigen Stinkemantel durch endlos grosse Wälder laufen will sondern lieber an “Spielen die glücklich machen” (miyamoto) teilhabe. Wegen dem ästhetischen Loch ist im Casual-Bereich auch immer nur Platz für hässlichere und unstabilere Versionen der geliebten Arcade-Klassiker.
Als Ich Fast 100 Wurde
Als ich fast hundert Jahre alt wurde, hörte ich kaum noch. Nur die Person, die ich anschaute. Zu Essen gab es Rotbarsch im Bärlauchmantel. Servierzeit: 21 Uhr. Die Köchin war krank und hatte auf Vor- und Nachspeise verzichtet. Sie stritt sich mit ihrem ebenfalls anwesenden Freund. Er ging hinunter und kaufte beim Spätkauf drei kleine Packungen Möwenpick-Erdbeer und einmal Eiskonfekt. Er nahm einen Apfel, schnitt ihn in Streifen, bestreute sie mit Zimt und legte damit Sterne auf drei Teller, wofür er den gesamten Eiskonfekt, aber nur eineinhalb Packungen Erdbeer verwendete. Ich benötigte zwei Stunden, das aufzuessen. Zwischendurch bot ich Trüffelkugeln, die mir nachmittags die Nachbarin geschenkt hatte, an. Ich aß keine, der Freund der Köchin eine, die Köchin eine halbe. Sie sagte, sie findet Trüffel eklig. Ich begann mehrere Sätze, die ich nicht vollendete. Die Köchin war in der Küche und machte den Abwasch bei geschlossener Tür. Ihr Freund sagte, ihr zweiter Name wäre “Hausfrau”. Sie sagte, sein Beruf wäre “Verrachter”. Er rauchte mir die Stube voll. Ich vergaß, daß ich mir in der Küche einen Kamillentee gemacht hatte. Ich trank ihn um 0.30 Uhr. Die Tasse war noch warm. In meinem Kopf hörte ich unentwegt ein Orchester. Die anderen hörten es nicht.
Japanese Ghosts in My Home?
Kennt ihr japanische Gespenster? Die können nicht mehr laufen und ziehen sich mit ihren Fingernägeln über irgendwelche doppelten Einbaudecken oder in Schrankwänden entlang, bis sie rauskommen. Es gibt dafür extra einen Smiley: m(T_T)m~~~~~ oder so ähnlich. Sie machen langgezogene kehlige Laute. Wenn alles zu spät ist und sie aus der abgehängten Decke (in der sie bei mir zuhause sind) runterfanden können sie auch irgendwann unmittelbar unter der eigenen Bettdecke auftauchen!
Dosenpfand Zunehmend Unpopulär
Leichenpreis
James Cauty war The KLF. Das war einmal die erfolgreichste Band der Welt (als Platten noch verkauft wurden). James Cauty war The K-Foundation. Die verlieh 1993 einen Preis für die schlechteste englische Kunst. Und zwar an Rachel Whiteread, die auch den Turner Prize für die beste englische Kunst gewonnen hatte von der K-Foundation bekam sie aber doppelt soviel Geld (40 000 Pfund). Cauty zog sämtliche KLF-Platten vom Markt und verbrannte 1994 öffentlich 1 Million Pfund, wofür er 400 000 Pfund Steuern zahlen mußte. Er trennte sich Ende der Neunziger von seinem KLF-Kumpel Bill Drummond. Zu diesem Zeitpunkt waren sie gerade auf dem Land mit einem Lieferwagen unterwegs, den Kofferraum voll mit toten Kühen. Die wollten sie an Hochspannungsmästen aufhängen. Warum, hat Cauty vergessen. Nicht aber, wie er die Tür zum Laderaum aufklappte und ihm ekelhafte Verwesung entgegenschlug. Er machte die Tür wieder zu und sagte zu Drummond: Okay, das wars.
Cauty produziert heute Briefmarken für einen imaginären, kryptofaschistisch regierten Staat. Der könnte ebenso in Norddeutschland wie in Südamerika liegen. Die aktuelle Ausstellung läuft in Berlin Kreuzberg. Die einzelnen Briefmarken sind billiger als die offiziellen der britischen Royal Mail. Vergrößert und gerahmt kosten sie um die 121 Euro. Drei besonders groß gezogene Marken kosten jeweils 30 092 Euro. Kaufen dürfen sie keine Privatpersonen, sondern nur Firmen, die in Kunst investieren. 30 092 Menschen sind bisher im Irak-Krieg umgekommen.
Popdiskurs 2006
Dissidenz-Pop ging in den Neunzigern in die Brüche. Auch eine Auswirkung von 1989. Davor kämpfte Pop hierzulande an den Unis mit den Merve-Büchlein gegen die Sozialstatistik-Marxisten. Grammatik des Begehrens: Niemals Sozi werden. Später trat Diederichsen dann den “Langen Weg nach Mitte” an. SZ und FAZ verbrannten in den Feuilletons die Opern und Klassik-Konzerte. Und setzten versteckt auf Überschriften aus Donald-Duck-Comics und Tocotronic-Liedern. Deutscher HipHop re-nationalisierte die letzten Spaßkulturen. Der echte Krieg hatte begonnen. Wie von Gremliza prohezeiht, waren die moralinsauren Grünen die ersten, die die Bomben (auf Belgrad) warfen. Dann sollten die Aufgaben der Bundeswehr am Hindukush beginnen. Zu Hause siegte Kunzes alte Radio-Quoten-Forderung. Es geht weiter. “Wer nie mit der ‘Bravo’ in Berührung kam, kann sich heute nicht mitmokieren und wird sich allenfalls fremdschämen” (FAZ von heute, S. 44)
Golden Shower: Blumfeld
Blumfeld am Dienstag in München. Das Konzert war zu keinem Moment unangenehm. Aber das ist vermutlich das Gefühl, wenn einem einer ins Ohr pisst auch nicht. Dabei habe ich die Postmoderne (wie nennt man die eigentlich aktuell) mal wieder besser verstanden.
Postmodern ist eine künstlerische Selbstermächtigungsstrategie. Warenform plus Kleinkunst macht: Postmodern. Scheiß auf die Bedeutung, wenn man das Bedeutende nicht mehr hinkriegt: Die Bedeutung orientiert sich weg von der Kunst hin zum Reden über Kunst ist also theoretisch versierte, reflektierte Kleinkunst mit einem guten Gewissen, die jeder nach seinem (Assoziations-) Standpunkt auslegen kann. Ein Wolf Biermann ohne Zwangsjacke sozusagen. Zudem klauen Blumfeld so dermaßen pentrant, daß es einen schütteln kann: Endet passend zur angenehm zu hörenden Mischung aus protestantischen Religionslehrerweisheiten und Extremst-Infantilismus in einem Gute-Melodien-Eklektizismus der bei mir s.o. Golden-Shower-Assoziationen auslöst. Das ist keine Verbeugung an einen Künstler, den man bewundert sondern einfach geklaut, um den Leuten originale Musikalität vorzugaukeln. Wenn das nicht ekelhaft ist, weiß ich auch nicht. Aber wie gesagt nicht unangenehm. Erinnert mich an das Gefühl, als mir im LSD-Rausch im Wanderlager eine braune Schnecke über den Schwanz gekrochen ist.
Außerdem ist das Naive, das man am Dienstag wirklich mit Schlagsahne und Kleinkinderkotze serviert bekommen hat, das neue Menschenverachtende und (vermutlich) das Zynische das nächste Naive. Unterhalb des Anspruchs der Specials braucht man heute keine Musik mehr machen. Und dem Terror des Blödsinns kommt man nur noch mit der Großkunst, also Shakespeare und klassischer Musik bei.
Einige Lieder von der Vorgrupppe “Englischen Garten” hatten so wenig mit dieser Zeit zu tun, daß ich mich schon wieder wundere, ob sie nicht doch etwas mit dieser Zeit zu tun haben.
Versorgungsproblem
Abenteuer im Billigladen. Berlin, “Klammer 10”. Ich: Der Toaster ist kaputt. Verkäuferin: So’n Pech. Wir haben gar keine Toasts da, um das auszuprobieren (Bomann CB 225, 2 Jahre Garantie).
1.000.000 : 1.000.000 vs. 1 : 1.000.000
Immer wieder wird als “Problem” des Podcastens angegeben, dass im Vergleich zum Radio meist weniger Leute von einem Podcast erreicht werden. Oft anstrengend doof: Radio vs Podcast. “Beim Radio wird eine Millionen-Hörerschaft erreicht. das schafft kein Podcast bisher”. Ging es denn aber nicht genau darum, um Diversifizierung, um Vielfalt, um Communities? Gibt es irgendeinen Beweis für den Vorteil einer 1:1.000.000-Kommunikation ausser dem Volksempfänger?
Wozu das also überhaupt noch so Grossväterchen-mäßig analysieren? Wen interessiert das? Leute, die von Professionalität sprechen wenn es erstmal um Kommunikation geht? Leute die private Homepages gerne verbieten würden, weil die ja ach so peinlich, geschmacklos und überflüssig sind? Oder die die immer sagen das internet ist “zugemüllt”, “unübersichtlich”, “man findet sich gar nicht mehr zurecht” um dann endlich wieder nur spiegel.de lesen zu dürfen? Was wollen die überhaupt? “Modewort des User-generierten-Contents”, ganz nach dem Faule-Sack-Credo immer mal schnell behaupten alles war schonmal dagewesen nur weil ein Ausspruch 3-5mal benutzt wurde. Ausser dem ebenfalls zweifelhaften Argument der Zugänglichkeit (bei Computern tun die Leute im Gegensatz zu allem anderen ja immer so als dürfte man da gar nichts lernen müssen) sollte man keine Ausreden gelten lassen…
WASG Kann Man Essen
Die WASG Berlin macht weiter. So wie die Linkspartei mit dem Sparen-bis-man-tot-ist in der Stadt. Am Dienstagabend tagte der Parteitag der WASG in einem Kreuzberger Altenwohnheim. Tatsächlich alles in grau: Die meisten Anwesenden und ihre Haare, Hosen und Jacken. Viele Männer, nicht soviele Frauen. Das verfallende Westberlin. Ostlerquote: 20 Prozent. Unter-30-Quote: 10 Prozent. Unter diesen Soz-Päd-Hippies und Gewerkschaftstypen ist Kurzharigkeit das neue Ding.
Es spricht Hüseyin Aydin, der Mann von der Zentrale. Die Zentrale hat den Berliner Landesvorstand abgesetzt und Aydin als neuen Chef eingesetzt. Deshalb sagt er, der Parteitag wäre gar keiner. Glaubt ihn niemand. Aydin krächzt hohles Zeug, als wollte er in der “Große Diktator” mitspielen. “Zurück zum Fächentarifvertrag, jawoll! Kein Sozialabbau , jaha!” Das Gegenteil macht die Linkspartei jeden Tag mit links. Wer Aydin geschickt hat, braucht keine Feinde mehr. Danach spricht Lucy Redler, der Liebling der Partei. Sehr platt, sehr gut. Die WASG Berlin ist für die “Abhängig Beschäftigten”. Ganz einfach. Für die Rechte der 34 000 Ein-Euro-Jobber in der Stadt. Für die Beschäftigten der PIN-AG, die die Post des Berliner Senats austragen - für 5,68 Euro in der Stunde. Allgemeiner Enthusiasmus. Zugabe klatschen. Das dümmste Zeug erzählen die Freunde der Fusion mit der Linkspartei. “Einheit und Zukunft der Linken”, als wäre die SPD noch nicht erfunden worden. Die WASG Berlin wirkt nicht besonders flott. Doch sie entspricht dem aktuellen Spruch von Dunkin Donuts: Kann man essen. Kann man trinken.